Glaubenszeugnis


 

Die Gerechten (Zaddikim) aller Nationen haben Anteil an der zukünftigen Welt. (Tosefta, Sanhedrin 13)

 

Ich rufe Himmel und Erde als Zeugen. Jede Person, ob Nichtjude oder Jude, Mann oder Frau, Knecht oder Magd, kann die G"ttliche Präsenz (Gegenwart) über sich bringen, je nach seinen Taten. (Tanna debej Elijahu Rabba 9)

 

Rabbi Yaacov sagte: Diese Welt ist gleichsam der Vorhof der künftigen Welt. Bereite dich im Vorhof auf sie vor, dass du in den Speisesaal eintreten kannst! (Pirkei Awot 4)

 

Er pflegte zu sagen: Besser eine Stunde Teschuva (Buße, Umkehr) und guter Werke auf dieser Welt als alles Leben in der künftigen Welt. Besser eine Stunde der Erquickung in der künftigen Welt als alles Leben in dieser Welt. (Pirkei Awot 4)

 

Mein Name ist Michael Schrimpf. Das Licht der Welt durfte ich im Jahr 1988 erblicken. Als berufliche Laufbahn habe ich das Studium und das Referendariat als Gymnasiallehrer mit den Fächern Englisch und Mathematik abgeschlossen mit dem Blick über die Schule hinaus.

 

Nachfolgend möchte ich meinen Glaubensweg skizzieren, wie ich zu dem Ewigen (HaSchem), dem Gott Israels, finden durfte. Weiterhin möchte ich die wichtigsten Ereignisse in meinem Leben schildern sowie die Gründe für meine Entwicklung erläutern. Ich vergleiche diesen Weg gerne mit einem Nachhausekommen.

 

Vorab eine kurze Zusammenfassung meines geistlichen Werdegangs: zunächst traditioneller Kirchenchrist (evangelisch-lutherische Kirche, etwa 17 Jahre lang); danach bekennender evangelikaler Christ (verschiedene „bibeltreue“ Freikirchen, etwa 14 Jahre lang), anschließend biblisch-unitarischer Christ (etwa 3 Jahre lang); schließlich und endlich Noachide (= gottliebender Mensch aus den Nationen, der den jüdischen Glauben annimmt, ohne zum Judentum zu konvertieren).

 

Das erste einschneidende Ereignis meines Lebens war die Trennung meiner Eltern im Alter von fünf Jahren, wovon einige Wunden erst als Jugendlicher und Erwachsener heilten. Schon in der Grundschule trieb mich mein Streben nach Erfolg an, und zwar in der Schule selbst und im Sport. Ich wollte nicht nur gute Leistungen erbringen, sondern der Beste sein. Zudem probierte ich verschiedene Sportarten aus, von denen ich Handball, Judo und Basketball schließlich am längsten betrieb (jeweils mehr als sechs Jahre). Außerdem hatte ich die Möglichkeit die Instrumente Blockflöte und Klavier zu erlernen.

 

Im Laufe meiner Jugendzeit kristallisierte sich dann heraus, dass ich im Basketball besondere Begabung hatte, sodass ich durch fleißiges Training bis in die höchste Jugendliga in Hessen aufstieg. In der Schule verlief das Lernen weitgehend reibungslos, auch wenn ich aufgrund meiner Hochsensibilität (die ich erst mit Anfang 30 verstand) eine gewisse Außenseiterrolle einnahm. Dennoch war ich in den Klassen meist und von den Meisten anerkannt.

 

Im Alter von 16 Jahren erfolgte dann der nächste große Einschnitt. Aufgrund mehrerer Verletzungen im rechten Sprunggelenk wurde dieses so instabil, dass ich den Leistungssport aufgeben musste. Drei Jahre später kam ein dreifacher Bänderriss im linken Knie hinzu, der zwei Operationen nach sich zog. Beide Verletzungen sind, Gott sei Dank, durch Therapie und Training gut verheilt, sodass ich im Alltag und bei normalen sportlichen Aktivitäten so gut wie keine Einschränkungen erfahre.

 

Die Verletzung am Sprunggelenk ließ eine Säule meines Lebens, auf der ich vermeintlich fest stand, zusammenkrachen. Zwar konnte ich mein Erfolgsstreben im schulischen Bereich weiter ausleben, aber eine gewisse Leere nagte an mir. Schließlich führte mich all dies zu einem tiefen Fragen und Forschen nach dem Sinn unserer Existenz. Warum lebe ich? Wofür lohnt es sich überhaupt zu leben? Was kommt nach dem Tod?

 

Als Kind und Jugendlicher hatte ich bis dahin nicht an der Existenz eines Schöpfers gezweifelt. Allerdings nahm Er eine untergeordnete Rolle in meinem Leben ein und nach meiner Konfirmation ging ich nur selten in die evangelische Kirche. Zwar betete ich beinahe täglich das Vaterunser und das Apostolische Glaubensbekenntnis, ansonsten jedoch nur für meinen Erfolg. Es drehte sich um mich, anstatt um den Einen Gott.

 

Während meinen Gedankengängen kam mir mein Konfirmationsvers in Erinnerung: Weise mir, Ewiger (HaSchem), Deinen Weg, dass ich wandle in Deiner Wahrheit. Erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich Deinen Namen fürchte. (Ps. 86:11). Dies führte mich zu vertieftem Bibelstudium und zur Lektüre über Fragen wie „Schöpfung contra Evolution“, „Kirchengeschichte“ und „Glaubwürdigkeit der Bibel“. Übrigens verstand ich unter der „Bibel“ damals noch die Hebräischen Schriften (leider oft „Altes Testament“ genannt) zusammen mit dem „Neuen Testament“. Dies ist heute grundlegend anders, wie ich noch ausführen werde.

 

Für mich ist ab diesem Zeitpunkt immer wichtig gewesen, dass der Glaube das Denken beinhaltet und dass der Verstand nicht an der Garderobe abgegeben wird, sobald man ein Gemeindehaus betritt. Das hebräische Wort emuna bedeutet ein vernunftbasiertes Vertrauen (mit Herz, Hirn und ganzer Kraft) auf jemanden, der sich als zuverlässig erwiesen hat. Und dieser jemand ist nach dem Zeugnis der Hebräischen Bibel der Ewige, der Gott Israels, unser himmlischer Vater.

 

Seit 2007 versuche ich also bewusst ein gottgefälliges Leben zu führen, das sich in der Liebe zu Gott und dem Nächsten ausdrückt und auf den Geboten der (Hebräischen) Bibel basiert. Mein Leben hat sich durch dieses Bemühen, Lernen und Ringen um den Einen Gott total verändert. Und dafür gebührt Ihm allein der Dank. Es war zugleich der Beginn einer langen und freudigen, aber auch steinigen Heimreise.

 

Während dieser Zeit kehrte ich zunächst der evangelischen Landeskirche den Rücken. Ich hatte zuvor wieder regelmäßig Gottesdienste besucht, jedoch waren die Predigten mehr von der Tagespolitik und leeren Worthülsen bestimmt anstatt auf der Bibel zu gründen und zur Umkehr von falschen Wegen aufzurufen. Zudem entsprechen ihre gesamte Struktur, ihre Liturgie, ihre Lehre und ihre Verzahnung mit dem Staat nicht dem biblischen Maßstab und der Praxis der jüdischen Überlieferung (sowie der frühen Gemeinde).

 

Danach war ich in verschiedenen Freikirchen aktiv dabei (Stadtmission, Bibelgemeinde, Freie Brüdergemeinde). So ließ ich mich u.a. „richtig“ taufen (Glaubenstaufe durch Untertauchen). Neben der Jungendarbeit habe ich ab und an gepredigt oder Bibelstunden gehalten. Auch die Gebetsstunden waren mir ein Herzensanliegen.

 

Etliche Male habe ich die ganze Bibel [damals auch das „Neue Testament“] oder große Teile davon durchgelesen und vertieft studiert. Als äußerst hilfreich erwies sich dazu das Studium der Kirchengeschichte (Gemeindegeschichte). Zudem habe ich einiges an Hebräisch gelernt und mich vermehrt in das hebräische Denken eingedacht, um die biblischen Begriffe und Konzepte noch besser zu durchdringen.

 

In allen (evangelikalen) christlichen Gemeinden ist die sogenannte Trinität oder Dreieinigkeit das unumstößliche Fundament für das vermeintlich „orthodoxe“ (rechtgläubige) Verständnis des „wahren“ Gottes. Ergänzend dazu wird Jesus als Erlöser und Gott-Mensch angebetet. [Dies gilt auch für die evangelische Landeskirche, wobei dort in so gut wie allen ethischen Fragen eine Mentalität der Beliebigkeit vorherrscht, solange man dem links-grünen Zeitgeist entspricht.]

 

Dass diese beiden fundamentalen christlichen Lehren im jüdisch-biblischen Verständnis nichts anderes als Götzendienst bedeuten, wurde mir nach und nach bewusst, loderte aber eher wie eine kleine Flamme im Verborgenen. Ich versuchte diesen Glauben logisch und biblisch zu verteidigen und aufkommende Fragen zu unterdrücken. Schließlich konnte die Gemeinde Jesu in weiten Teilen nicht über fast 2000 Jahre falsch gelegen haben ... so mein damaliges Denken. [In der Regel betete ich jedoch zum Vater im Namen Jesu.]

 

Im Laufe der Jahre 2019 und 2020 kam ich schließlich zu einer ersten tiefgreifenden und weitreichenden Veränderung in meinem Verständnis von Gott und dem Messias. Es handelt sich nicht um eine kleine Differenz in einer zweitrangigen Lehrfrage, sondern den Kern des biblisch-jüdischen Glaubens. Mit dieser Entscheidung wusste ich zugleich, dass mir die Türen aller Gemeinden und Kirchen verschlossen bleiben würden oder ich nur "unter Auflagen" geduldet würde (und so bestätigte es sich in Gesprächen). Zudem bezeichnete ich mich seitdem ganz gewiss nicht mehr als „Christen“ im herkömmlichen Sinne.

 

Durch das Magazin „Israel Heute“ (zu jener Zeit noch unter der Leitung des unitarisch-messianischen Juden Ludwig Schneider) wurde ich bereits während meiner freikirchlichen Zeit auf den biblischen Monotheismus (= Gott ist nur Einer, der Vater) aufmerksam. Damals ließ ich dies als eher fragwürdig wieder fallen und wurde nur noch mehr zum Verteidiger der Trinität.

 

Im September 2019 fanden Gespräche mit einem befreundeten Pastor und einer damaligen Kollegin und „Glaubensschwester“ zum Thema „Trinität in der Gemeinde“ statt. Sie bezeichnete(n) die Trinität klar als falsche Lehre (im Prinzip „Götzendienst“) und spätere Erfindung der (nichtjüdischen) „Kirchenväter“, vertraten ihre Meinung aber nicht allzu öffentlich. Zunächst gingen bei mir als „rechtgläubigem“ Christen alle Alarmglocken an.

 

Doch führten mich diese Gespräche zu einem eigenen Hinterfragen und Forschen in Bezug auf die Trinität und weiterer „evangelikaler“ Lehren, wie ich dies nie für möglich gehalten hätte. Die folgenden Monate, in denen ich beinahe täglich Artikel und Podcasts zum Thema las bzw. hörte (u.a. Greg Deuble und Dale Tuggy), öffneten mir jedenfalls die Augen, dass es sehr gute Argumente für die Position der biblischen Unitarier gibt.

 

Nach einem Jahr des Prüfens und Forschens konnte ich aufrichtig und mit Gewissheit behaupten, zu 100% mit dem Thema durch zu sein. Vieles von der Seite der biblischen Unitarier lässt so viele Abschnitte der Bibel [damals einschließlich „Neues Testament“] schlüssiger werden. Zurück in meinem Denken und Handeln konnte und kann ich also nicht mehr. Zu sehr freute und freue ich mich darüber, dass ich (endlich) klar verstehe, wer der wahre Gott wirklich ist.

 

Gott ist nur Einer, der Vater. Und der echte jüdische Messias wird als vollkommen Gerechter (hebräisch: Zaddik) leben. Er wird durch seine Unterweisung in der Tora und durch sein Vorbild den Zugang zum himmlischen Vater jedem Menschen klar vor Augen malen. Er wird kommen, um das messianische Friedensreich auf der Erde aufzurichten. [Damals hielt ich im Rahmen des christlichen Monotheismus noch an Jesus von Nazareth als dem verheißenen Messias fest. Doch auch dies habe ich später endgültig und glücklich widerrufen, wie ich noch aufzeigen werde.]

 

Es entstand Klarheit und Freude im Verständnis, ohne komplizierte Trinitätslehre oder „Zwei-Naturen-Lehre“ (Jesus sei „wahrer Mensch und wahrer Gott“ zugleich), die sich eines nichtjüdischen Vokabulars aus der griechischen Philosophie bedienen müssen. Ich sah mich zusammen mit anderen Wahrheitssuchern wieder näher an der ersten (jüdischen) Gemeinde; schließlich wurden Jesus und der „heilige Geist“ erst im vierten Jahrhundert durch verschiedene Konzile mit den Begriffen „Gott der Sohn“ und „Gott der Geist“ belegt.

 

Wohin führte das alles? Fern lag es mir die Gemeinde(n) zu spalten oder besserwisserisch dazustehen. Deswegen verließ ich die üblichen freikirchlichen Gemeinden (bzw. wurde gebeten zu gehen) und habe mich seitdem persönlich oder in kleinen Gruppen mit Menschen ausgetauscht, die den biblisch-unitarischen Glauben teilen oder generell an Glaubensfragen interessiert sind. Dies ist vorwiegend online geschehen.

 

Natürlich haben das tägliche Bibelstudium und Gebet sowie die (jüdischen) Auslegungen weiterhin einen wesentlichen Teil meines Alltags eingenommen und zu meinem geistlichen Wachstum beigetragen.

 

Doch auch mit der christlich-unitarischen Bewegung war noch nicht das endgültige Ziel erreicht. Viele Fragen warteten noch auf ihre Antwort.

 

Wieso nehmen unitarische Christen den Gott Israels an, lehnen aber in weiten Teilen Sein Volk Israel ab? Sie sehen sich selbst als das „geistliche Israel“ und lehren somit weiterhin die „Ersatztheologie“.

 

Wie kommt es, dass die überwiegende Mehrheit der Juden bis heute Jesus nicht als Messias annimmt und ihm im Gegenteil eher feindlich gegenübersteht? Haben die Juden eine „Decke über den Augen“, wie Paulus es hochmütig ausdrückt? Ließ der Ewige sie bewusst fallen, um die Botschaft vom Messias zunächst zu den Nationen zu bringen?

 

Oder hat Er nicht vielmehr ihnen die ewige Tora und die unwiderruflichen Verheißungen gegeben? Ist Er nicht gerade in all ihrem Leiden treu geblieben? Und sind die Juden nicht Seine Zeugen für Seine Einzigkeit geblieben?

 

All diese Fragen klärten sich schließlich während meiner Zeit als biblischer Unitarier. Mir wurde deutlicher als je zuvor bewusst, wie wir uns auf die hebräische Denkweise (die ich seit fast 15 Jahren studiert habe) einlassen müssen, so wie sie uns im Tanach (Hebräische Bibel) und der jüdischen Weisheit (u.a. Talmud) begegnet. Dies geht einen (großen) Schritt über den „christlichen Monotheismus“ hinaus.

 

Wir brauchen die Juden mit ihrer reichen Überlieferung und ihrem klaren Verständnis der Tora, um als Kinder Gottes auf dem guten und richtigen Weg zu bleiben. Sie haben den besonderen Auftrag des Ewigen bekommen, die Gottessucher und gottliebenden Menschen aus den Nationen anzuleiten.

 

Gott sei Dank hatte mich mein eigenes Lernen auf den letzten Schritt zur Heimkehr ins Vaterhaus und damit ganz zu den Kindern Israels vorbereitet. Es lag lange Zeit im Schlummer, doch wurde es im Laufe des Jahres 2023 völlig aufgeweckt.

 

Ich will einzig und allein den Ewigen, unseren Schöpfer, Vater und Erhalter, den Gott Israels anbeten und Ihm dienen. Jeder Mensch ist das Werk Seiner Hände und von Ihm unendlich geliebt. Jedoch liegt es an uns den Weg der Umkehr (Teschuva) heim ins Vaterhaus zu wählen und uns auf seine Gebote (Mitzvot) auszurichten, je nachdem sie für uns gelten. Kein Mittler und kein anderer Name soll jemals wieder dazwischen stehen.

 

Ich erwähnte weiter oben, dass ich seit meiner Hinwendung zum Glauben Jesus von Nazareth als Messias Israels und Retter der Welt angesehen habe; als evangelikaler Christ noch als Gott-Menschen; als biblischer Unitarier dann einerseits aus jüdischer Sicht als echten Menschen; andererseits immer noch mit der christlichen Brille als Erlöser und Auferstandenen (u.a. wie Paul Herring und Thomas Mäder).

 

Dieser Glaube wurde beständig schwächer, angefangen mit dem Verwerfen der Paulus-Briefe als „inspirierte Schriften“ bis hin zur Infragestellung des gesamten „Neuen Testamentes“. Das kritische Vergleichen der Schriften des „Neuen Testaments“ untereinander sowie mit dem Tanach und außerbiblischen Quellen der ersten drei Jahrhunderte versetzten meinem messianischen Glauben harte Schläge. Das Ergebnis war eindeutig: Jesus erfüllte keine der messianischen Prophetien des Tanach, wenn sie aus jüdischer Sicht und im Textzusammenhang überprüft werden.

 

Es gab danach und gibt für mich heute keine andere logische Schlussfolgerung: Die einzig glaubwürdige Grundlage für echten monotheistischen Glauben sind die Hebräische Bibel und die jüdische Überlieferung (u.a. Talmud). Vorträge von Steven Eisenhauer, Rabbi Tovia Singer und Rabbi Michael Skobac und das Studium der jüdischen Geschichte unterstützten diesen Prozess.

 

Rückblickend kann ich heute festhalten: Was mein Vertrauen, mein Verständnis und meine Liebe in über 15 Jahren hat wachsen lassen, waren in erster Linie das Studium der Hebräischen Bibel, der Hebräischen Sprache und der jüdischen Tradition zur Ausrichtung aller Lebensbereiche auf den Einen Gott (HaSchem).

 

Die Schriften des NT habe ich als Quelle für den Glauben endgültig verworfen, auch wenn sie für die historische Forschung irgendwie von Bedeutung sein mögen. Ebenso bekenne ich, dass die Juden (zumindest die überwiegende Mehrheit) bis zum heutigen Tage richtig erkannt haben, dass Jesus von Nazareth nie und nimmer der Messias Israels sein kann.

 

Nun wurde und werde ich von ehemaligen „Glaubensgeschwistern“ darauf hingewiesen, dass ich mit der Ablehnung des NT als „inspirierte Schrift“ und mit der Ablehnung von Jesus als Messias nichts mehr in Händen hätte, da die (orthodoxen) Juden den Nichtjuden verbieten würden die Hebräische Bibel zu studieren. Wie so vieles andere handelt es sich dabei um ein typisches (christliches) Vorurteil. Wie gut, dass ich dagegen durch eigenes Forschen und die Gnade des Ewigen immunisiert worden bin.

 

Denn das genaue Gegenteil ist der Fall und immer mehr orthodoxe Rabbiner haben diejenigen Menschen aus der Völkerwelt auf dem Schirm, die sich als Noachiden (gottliebende Menschen aus den Nationen) den Kindern Israels anschließen und von ihnen lernen wollen.

 

Außerdem fand ich die ermutigende Antwort des großen Gelehrten Rambam (Mischneh Torah), dass auch Nichtjuden den Tanach lernen dürfen (und sollen), wenn sie an dessen göttliche Inspiration glauben und sich unter die Sieben Noachidischen Gebote stellen. Bei mir geht es noch einen Schritt weiter, da ich mir auch das "Schma Israel" über viele Jahre zu eigen gemacht habe und mit Israel gemeinsam bekenne.

 

Weiterhin werde ich oft davor gewarnt, dass ich aus Sicht der (orthodoxen) Juden in der kommenden Welt als gottliebender Noachide nur "Bürger zweiter Klasse" sei. Nur Jesus und Paulus hätten das Tor zur Gleichwertigkeit geöffnet. Doch auch diese Aussage ist ein christliches Vorurteil. Nicht nur der Talmud, Raschi und Rambam sehen das innerhalb der jüdischen Überlieferung ganz anders.

 

Bereits in dieser Zeit und erst recht in der Auferstehung in der kommenden Welt beten Israel und gottliebende Menschen aus den Nationen (Noachiden) den Einen und Einzigen gemeinsam an. Wir haben schlicht verschiedene Aufträge (Mitzvot), sind aber gleichermaßen vom himmlischen Vater geschaffen und geliebt. Israel ist und bleibt dabei "am segula" (das besondere Eigentumsvolk).

 

Die treuen Juden (die an dem Ewigen festhalten) und hingegebene Rabbiner unterweisen uns Noachiden (gottliebende Menschen) bereits jetzt im Verständnis des Einen Gottes und lehren uns Tora. Mittlerweile stehen sowieso jedem Menschen eine Vielzahl jüdischer Ressourcen zum Studium des ganzen Tanach zur Verfügung. Umso mehr wird das für die Zeit des echten jüdischen Messias in der Auferstehung gelten.

 

Es war und ist wie die letzte Meile auf dem Nachhausekommen, wohl wissend, dass der Weg der emuna (Weg des Vertrauens) ein lebenslanger Prozess ist und wir nie aufhören sollen zu lernen und zu wachsen; jeder nach seinem Maß und seinen Fähigkeiten.

 

Jeder, der die Sieben Mitzvot (Gebote) annimmt und darauf achtet, sie zu tun, ist einer der Chasidei Umos HaOlam (einer der sehr Frommen aus den Nationen der Welt), und er hat Anteil an der kommenden Welt. Dies gilt für jemanden, der sie annimmt und tun wird, weil HaKadosch Baruch Hu (der Heilige, gelobt sei Er) sie in der Tora befohlen hat und weil Er uns durch Mosche Rabbenu mitgeteilt hat, dass den Noachiden diese Mitzvot vorher befohlen wurden. Aber wenn er sie aufgrund einer intellektuellen Entscheidung tut, dann ist er kein Ger Toschaw und gehört nicht zu den Chasidei Umos HaOlam, er ist [nur] einer ihrer Weisen (aus den Nationen der Welt). (Rambam, Gesetze der Könige 8)